Fein(d)staub? 4. Messung in Sinstorf - DIY

Ein geflügeltes Word und in aller Munde: Feinstaub. Was man nicht kennt, aber von überall her in den grellsten Farben geschildert bekommt, könnte einem Angst machen. BeiSins will Klarheit schaffen und den Schleier lüften: was steckt hinter dem "Feind Staub" und wie sieht es damit in Sinstorf aus? Do it yourself (DIY) - wir bekamen aktuelle Daten vom Meßgerät eines Anwohners und stellen diese, verständlich aufbereitet, vor:

Das Feinstaubmeßgerät "TROTEC Partikelzähler PC 200 mit Cal Zertifikat" (Foto siehe weiter unten) mißt im kleinsten Bereich 0,3 Mikon, dann 0,5 Mikron, dann 1 Mikron. Doch wie kann man sich das vorstellen?

Hier ein Vergleich:
Jeder kennt einen Millimeter. Ein kleiner Senfkorn hat z.B. ungefähr diese Größe.


Wir tauchen noch weiter in die Tiefen der Kleinstheiten hinein. Hier wohnen die Mikrons und Nanos.

Ein tausendstel Senfkorn (also 0,001 Millimeter) würde ein Mikron (µm) ergeben. Ein Mikron besteht demnach aus einem tausendstel Millimeter, einem Tausendstel vom Senfkorn oder für die Mathematiker: 1/1.000 mm.

Vielleicht wäre ein Mikron also mit einem winzigen Picks einer superspitzen Nadel auf einem Senfkorn vergleichbar. Doch es geht noch kleiner.

Dieser superkleine Nadelpicks besteht seinerseits aus 1.000 Nanos (Nanometer)! Ein Nano ist also ein Tausendstel eines superkleinen Nadelpicks. Für das bloße Auge nur unter einem Mikroskop zu erkennen.

Viren (siehe Foto) z.B. haben Größen zwischen 22 bis 330 Nanos, während Bakterien schon zehn Mal größer sind.

Zurück zum Feinstaubmessgerät "TROTEC Partikelzähler PC 200 mit Cal Zertifikat", dass u.a. zwischen 0,3 und 1 Mikron messen kann. Gewaltig winzige Teilchen also. Wie macht es das? Vereinfacht gesagt saugt es wie ein Staubsauger 1 Minute lang die Luft ein, siebt diese kleinsten Feinstoffteilchen in seine Größen und zählt sie aus.

Neben der Anzahl der unterschiedlich kleinen Mikrons von 0,3 bis 1 Mikron wertet das Meßgerät die zu erwartende Belastung/Schädlichkeit aus. Grüner Balken: alles im grünen Bereich und nicht gesundheitsschädlich, oranger Balken: es wird auf Dauer belastend, roter Balken: Gefahr für die Gesundheit. Das Gerät beurteilt nach den vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales vorgegebenen Richtwerten, die eine Disskussion für sich darstellen könnten, hier aber nicht behandelt werden sollen. 

Nun zu unseren Messungen am Sonntag, den 24. Februar 2019,
Mittags um 12 Uhr, gemessen an folgenden vier Orten:

a) Messpunkt 1: Autobahnraststätte Ost
b) Messpunkt 2: Autobahnraststätte West
c) Messpunkt 3: Winsener Straße, Verkehrsinsel Kreuzung nach Meckelfeld, Höhe Elbkinder Kita
d) Messpunkt 4: Tausendjährige Kirche, zwischen Kirche und altem Pfarrhaus

Bedingungen: Klare Luft, der Wind wehte schwach aus südwestlicher Richtung, geringer Sonntagmittagsverkehr, auf den Autobahnen nur wenig los, keine LKW's.

Meßwerte (vom 24.02.2019)

Feinstaub in Mikron 0,3 0,5 1    Bewertung
a) A7 - Raststätte Ost      29.789       11.308      649     
b) A7 - Raststätte West 21.483    7.890 545     
c) Winsener Straße 27.632    10.359 810      
d) Kirche Sinstorf 20.422    7463 749       

Auffällig ist der rel. hohe Wert bei 1 Mikron an der Kirche. Wahrscheinlich liegt es an den hohen Bäumen und bereits einsetzendem Pollenflug, der für Erle und Haselnuss für den 24.2.2019 als besonders stark angegeben wurde.

Wir können erkennen, dass sich die Feinstaubbelastung an den genannten Meßstellen in Sinstorf noch im unbedenklichen Bereich befindet. Zumindest an diesem Sonntag-Mittag, Tag und Uhrzeit mit dem vermutlich geringstem Verkehrsaufkommen 2. (außer nachts).

Erklärung des grün-gelb-rot Balkendiagramms siehe Tabelle recht.

Wir werden die Messungen auch an Arbeitstagen mit hohem Verkehrsaufkommen an denselben Orten wiederholen. Wenn es Sie interessiert: Schauen Sie wieder rein!

 

 

 

2. Feinstaubmessung am 3. Februar 2019

Bedingungen: Mittagszeit (kein Stoßverkehr), der Wind weht schwach auch südwestlicher Richtung. Der Himmel ist bedeckt bei relativer Luftfeuchtigkeit um die 50%.

Auswertung der 2. Feinstaubmessung:
Für Feinstaub kleinster Größe 0,3 Mikron ist alles überall im grünen Bereich. Auf der Winsener Straße wurden die höchsten Werte gemessen - höher als zu beiden Seiten der A7. Bei der Tausendjährigen Kirche liegt der Wert, vermutlich wegen des starken Erlen-Pollenfluges, ebenfalls höher.
Feinstaub der Größen 0,5 Mikron sowie 1 Mikron sind an allen vier Meßpunkten sehr gering.
 

3. Feinstaubmessung am 8. März 2019

Bedingungen: früher, einsetzender Nachmittagsverkehr, die Winsener Straße war noch schwach befahren. Möglicherweise treibt der böige Ostwind die "Autobahn-Partikel" auf den Meßpunkt an der Westseite.


Auswertung der 3. Feinstaubmessung:
Alle Meßwerte sind im grünen, unbedenklichen Bereich. Allerdings steigen sie im Vergleich zur 2. Messung, die tageszeitlich 2 Stunden früher (allerdings nicht am selben Tag) stärker an. Aufffällig treten die Werte an der doch vom Verkehr nur wenig beeinflussten Sinstorfer Kirche hervor. Der Pollenflug könnte die Ursache sein, jedoch lagen laut Pollenflug (www.allergiecheck.de) keine starken Belastungen am 8. März mehr vor.
 

4. Feinstaubmessung am 29. Mai 2019

Bedingungen: Morgentlicher Berufsverkehr. Bewölkt und trocken bei leichem Wind aus nördlicher Richtung und einer relativen Luftfeuchte von 55%.


Auswertung der 4. Feinstaubmessung:
Alle Meßwerte sind im grünen, unbedenklichen Bereich. Wenn man bedenkt, dass die Messung während der Hauptverkehrszeit morgends um halb acht stattfand, stellt sich die Frage, in welchem Maß die Feinstaubbelastung durch regionale Einflüsse bestimmt wird. Auffällig ist, dass die Autobanhraststätte Harburger Berge im Vergleich zu den anderen Meßorten regelrecht wie ein Luftkurort da steht - schaue auch Pommes an der A7 das Video. Allerdings waren auch fast alle dort parkenden LKW bereits unterwegs, so dass hier keine laufenden Dieselmotoren die Luftqualität beeinträchtigen konnten.
Der Zeitvergleich mit den bereits zuvor durchgeführten Messungen deutet darauf hin, dass eher überregionale Einflussfaktoren das Ausmaß userer Feinstaubbelastungen bestimmen könnten.

 

 

Kommentare

1. Am Dienstag, 23 April, 2019, 17:26 von Airdrie CA

Toller Artikel. Danke für diese Aufklärung, denn die wäre eigentlich Aufgabe der Regierenden sowie aller verantwortlichen Führungskräfte.. Bildung ist zur Zeit zum Schlagwort bei Wahlpropagandabveranstaltungen verkommen. Parteien gebrauchen gerne Schlagworte, da sie für ihre Parteiinteressen werben und nicht um regelgerecht das Volk gut zu führen.
Gerade über dieses ernste Thema wie hier zum Schutz von Mensch und Natur, wäre eine seriöse Information von Regierenden, Medien etc sehr gut. Die Menschen könnten besser mitwirken und auch wieder Vertrauen in die oberen Institutionen bekommen.. In diesem Sinne ist es gut, wenn wir als Volk auch selber aktiv werden. Es ist unsere Welt.

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